Zwischen Garten Eden und Sintflut

Zwei Jahre Dürre, zwei Jahre Pandemie, Flut an Rhein und Ruhr, der Krieg in der Ukraine… Unser Leben hat sich mit dem stetigen Krisenmodus epochenhaft verändert. Mehr Endzeit-stimmung als Aufbruch zeichnet die Gespräche aus. Im Gegensatz zur Fortschrittsmentalität der letzten Jahrzehnte entdecke ich, wie „Garten Eden“ und Sintflut sich die Waage halten. In diesen Tagen der Sommersonnenwende bleibt genau das die Frage: Werden Sommer und Herbst blühende Landschaften bringen oder Dürre und Corona. Der Blick in die großen biblischen Geschichten des Anfangs zeichnet dabei ein doppeldeutiges Bild. Das wunderschöne Schöpfungsgedicht von der siebentägigen Erschaffung der Welt korrespondiert mit der Erzählung der Sintflut, die lyrische Erzählung der Erschaffung von Mann und Frau mit dem Krimi von Kain und Abel. Die Zweideutigkeit unseres Daseins gehört zu unserem Leben seit Anfang an der Schöpfung. Weder der „Himmel“ noch die „Hölle“ sind alleinige Umschreibungen unseres Lebens. Bei aller Härte, die auch in diesen Tagen von manchem durchlebt wird, gilt zum einen, Danke zu sagen für die „Geschenke“ des Lebens – sowohl Gott als auch den Menschen. Zum anderen gilt es sich gegenseitig zu helfen, wo wir einander brauchen. Dazu gilt es auch in schwierigsten Situationen die Hoffnung nicht aufzugeben. Selbst die Sintflut-geschichte endet nicht mit dem Untergang, sondern dem Regenbogen. Auch Kain erliegt nicht seiner Rache, sondern wird durch das „Kainsmal“ von Gott nicht allein gelassen.

Die Sommersonnenwende ist für uns Christen mit dem Fest des Johannes des Täufers verbunden. In jeder Taufe wird das gesegnete Wasser mit dem Quell allen Lebens und der Sintflut in Verbindung gebracht. Taufe verbindet mit Christus und uns Christen untereinander. Gottesdienste und Religiöse Kinderwochen, Kirmes und Wallfahrten sollten dabei Orte der gegenseitigen Ermutigung sein

 

Eine gesegnete Sommerzeit                                                     Pfarrer Gregor Arndt