Als vor ein paar Jahren eine befreundete Familie eine neue Wohnung bezog, stellten sie befremdend fest, dass sich ihre Hauptfenster auf einen Friedhof ausrichten. Nicht ohne Verärgerung nahmen sie das zur Kenntnis. Wenn ich ihnen heute begegne, sind sie zutiefst dankbar für diese „Aussicht“. Der großartige Baumbestand und das intensive Vogelzwitschern steigern den Standortvorteil. Vor allem aber sind es die Kerzenlichter auf den Grabstätten. Selbst in ihrer säkularisierten, nüchternen Großstadt entdecken sie, das Licht geht nicht aus. Irgendjemand zündet wieder eine Grableuchte an oder ein anderer nimmt gerade eine ausgebrannte Hülse vom Nachbargrab. Eine eigenartige Mischung von Ruhe und Lebendigkeit strahlt der Friedhof aus. Die Lichter wirken manchmal wie ein Spiegel des Sternenhimmels. Da berühren sich Himmel und Erde…
Am 2. Februar feiert die Kirche Darstellung des Herrn – Mariä Lichtmess. Um diesen Tag herum werden in den Kirchen Kerzen gesegnet. Taufkerzen stehen dann neben Grablichtern, aufwendige Schmuckkerzen zum Fest neben Haushaltskerzen für den Alltag, Teelichter neben Altarkerzen. Biblischer Hintergrund dieses Festes ist die Begegnung der Heiligen Familie mit den beiden über achtzigjährigen Simeon und Hanna im Jerusalemer Tempel. Es sind diese beiden alten Menschen, die Maria und Josef sagen: denjenigen, den ihr in den Händen haltet ist der HERR, das Licht der Welt. Hinter jedem Licht leuchtet daher der Stern von Bethlehem und das Osterlicht des offenen Grabes auf. Egel ob in Trauer oder Freude – jede gesegnete Kerze bedeutet Licht von Gott gegeben. Und wir dürfen sie weiterreichen.
Pfarrer Gregor Arndt
