KREUZWEG – Spiegel der Zeit

Vor einem Jahr verfasste eine Frau aus unserer Kirchengemeinde eine Kreuzwegandacht, in der die vierzehn Stationen des Kreuzweges Jesu mit dem Leid und den Strapazen der Pandemie in Verbindung gebracht wurden. Und es erstaunlich, wie „lenbensnah“ der Kreuzweg den Coronaalltag abbildet. In diesem Jahr schauen wir auf die Bilder des Kreuzweges und assoziieren sofort die Kriegsbilder aus der Ukraine. Ein Herrscher, der den Stab über Menschen bricht und einem ganzen Volk die Last des Kreuzes auferlegt, samt seinem eigenen. Abmachungen über humanitäre Korridore, die zum dritten Mal zu Fall gebracht werden. Frauen, die weinend am Wegesrand stehen, Lebenspläne, die gekreuzigt werden, Mütter, die ihren gefallenen Sohn beweinen.

Freilich wir entdecken auch heute die Veronika, die ein Schweißtuch reicht, der fremde Simon von Cyrene, der Kreuz und Leid mitträgt und die Mutter, die ihrem Sohn auf dem Bahnsteig in die Augen blickt. Der Kreuzweg ist und bleibt ein Spiegel der Zeit – damals zu Jesu Zeiten und heute in den Tagen der kriegerischen Bedrängnis.

Viele bestätigen, dass sie die täglichen Bilder aus den Kriegsgebieten nur reduziert noch aushalten und ganz bewusst den Fernseher ausschalten. Der Pfarrer der katholisch-ukrainischen Gemeinde in Erfurt Jaroslav Sadovy ermutigt in diesen Tagen in einem Telefongespräch mit den Worten „Ora et labora“. Helft denen, die in den kommenden Tagen bei euch ankommen und betet für den Frieden. Die Kreuzwegstationen verbinden beides, Gebet und konkrete Hilfe, die damals und heute gefragt sind.

 

Mit der Fürbitte um Frieden                                                              Pfarrer Gregor Arndt