“Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe.” (Joh 13,34)
Mit diesen Worten gibt Jesus seinen Jüngern ein neues Gebot. Die Liebe zueinander soll das Erkennungszeichen der Christen sein. Sie wird dort sichtbar, wo Menschen einander mit Respekt und Wertschätzung begegnen, ehrlich miteinander umgehen, Zeit füreinander haben und bereit sind, zuzuhören. So wird aus einem Nebeneinander ein wirkliches Miteinander.
Wenn ich auf mein Freiwilliges Soziales Jahr zurückblicke, das in wenigen Wochen zu Ende geht, wird mir bewusst, wie oft ich genau solche Momente erleben durfte. Besonders mein Besuchsprojekt “Geschenkte Zeit” hat mir gezeigt, wie viel entstehen kann, wenn Menschen sich Zeit füreinander nehmen. In den Gesprächen mit älteren Menschen habe ich erfahren, dass ein offenes Ohr, ehrliches Interesse und gemeinsam verbrachte Zeit oft mehr bewirken als große Worte. In der Zeit, die ich schenkte, durfte ich auch erfahren, dass sie mir selbst zum Geschenk wurde. Diese und viele weitere Begegnungen, die vielfältigen Aufgabenbereiche, das Vertrauen, das mir entgegengebracht wurde, und vor allem die Freiheit, Verantwortung übernehmen zu dürfen, haben dieses Jahr für mich zu einem Geschenk gemacht. Was anfangs noch ungewohnt war, ist im Laufe des Jahres zu einem Ort geworden, an dem ich mich angenommen fühlte und wachsen durfte. Heute blicke ich erfüllt und voller Dankbarkeit auf diese Zeit zurück. Von Herzen danke ich allen, die mich auf diesem Weg begleitet haben.
Für die Zukunft wünsche ich Ihnen, dass Sie immer wieder den Mut finden, einander zuzuhören, aufeinander zuzugehen und die Liebe, zu der Jesus uns aufruft, im täglichen Miteinander sichtbar werden zu lassen.
Anna-Frida Reinhardt
