Ein Pfarrerwort zur Coronasituation

Wir werden uns vieles zu verzeihen haben

In diesen Tagen haben die Erstkommunionkinder unserer Kirchorte zum ersten Mal das Bußsakrament empfangen. Neben dem Bekenntnis der Sünden steht das Verbrennen der Sündenzettel und das anschließende Versöhnungsfest im Zentrum. Versöhnungsfest für Kinder trifft dabei jetzt auf diverse Versuchungen für Erwachsene. Die sich ausweitende Pandemie mit ihren überfüllten Intensivstationen zwingt alle, sich gegenseitig vor- und miteinander vor Ansteckung zu schützen. Impfung, 2G und 3G Regeln sind berechtigte Versuche, vom Virus verschont zu bleiben. Alle Einschränkungen schaffen keine 100% Sicherheit. Daran entzünden sich dann oft heiße Diskussionen und Unversöhnlichkeiten – bis in die Familien hinein, auch die kirchliche „Familie“.

Drei Vorsätze – um in der Sprache der Beichtpraxis zu bleiben – sollten uns als Kirchengemeinde leiten:

 

Verzicht auf Sündenbock- und Opferrhetorik

Die berechtigte Kritik an den Ungeimpften fixiert sich oft allein auf diese Gruppe, die dann schnell zum Sündenbock erhoben wird. Die Situation Ungeimpfter ist so vielfältig und die Gründe des jetzigen Pandemieausbruchs so divers, dass auf Impfermutigung gesetzt, auf Sündenbockrhetorik verzichtet werden sollte. Umgekehrt sollten sich Ungeimpfte für Argumente der Impfung offenhalten und sich nicht angesichts von Regeln zum Opfer stilisieren.

 

Lösungen statt Prinzipien

Es ist sinnvoll, Begegnungen zu begrenzen; rechtliche Regelungen schaffen dafür einen Rahmen.  Wenn nur fünf Kinder im Kinderchor singen dürfen, kann man das Adventständchen absagen oder zwei Gruppen bilden, die jeweils ein Lied vortragen. Kreativität statt Traurigkeit. Wenn es schwierig ist, Gottesdienst im Kirchgebäude zu feiern, dann in organisierter Kürze im Freien.

 

Vertrauen vor Kontrolle

Die letzten Monate haben gezeigt, dass Listen geführt, Abstände (mit Ausnahmen) gehalten wurden. Vor allem haben wir einander er- und getragen, sodass ganz verschiedene Grundhaltungen bezüglich der Pandemie nicht zur Spaltung führten. Mag es bei künftigen kirchlichen Veranstaltungen und Gottesdiensten im 2G-Modus auch einmal Kontrollen des Impfzertifikates geben, grundsätzlich setze ich als Pfarrer – auch nach vielen Gesprächen - auf das Vertrauen unter den Gemeindemitgliedern. Wer dann als Ungeimpfter die faire Entscheidung trifft, den Weihnachtsgottesdienst per Streaming zu feiern, soll wissen, dass er zur Gemeinde gehört.

 

Einen gesegneten Advent                                                    Pfarrer Gregor Arndt